Altersvorsorge Beamte – Was lohnt sich bei Beamten besonders?

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Altersvorsorge Beamte – Was lohnt sich bei Beamten besonders?

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Private Renteversicherungen sind für Beamte interessanter als für Angestellte @klarplus
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Bei der Altersvorsorge sind Beamte in einer besonderen Situation. Durch Ihren Pensionsanspruch haben sie eine andere Ausgangslage als normale Angestellte mit Ihrer Rente. Wie hoch sind diese Ansprüche? Wie hoch ist eine mögliche Rentenlücke? Wie unterstützt der Staat sie mit Möglichkeiten des geförderten Sparens?

 

1. Pensionsanspruch

Der Pensionsanspruch berechnet sich aus den zur Pensionierung geleisteten Dienstzeiten und dem letzten Gehalt, dass der Beamte vor der Pensionierung bekommen hat. Grob kann man sagen, dass für jedes Jahr als Beamter („ruhegehaltsfähige Dienstzeit“) der Faktor von 1,79375% bis max. 71,75% des letzten Gehalts verdient wird. Nach 40 Jahren hat man also den Maximalanspruch erreicht. Bei älteren Dienstverträgen liegt der Maximalsatz sogar bei 75%. Dieser Satz wird dann auf das letzte erhaltene Bruttoentgelt bezogen – also aller Voraussicht nach das Gehalt, das im Arbeitsleben am höchsten ist. Denn die Besoldungsgruppe steigt zwar nicht automatisch, eine Reduzierung ist aber auch nicht vorgesehen. Anders als für die in der Deutschen Rentenversicherung (DRV) versicherten Angestellten spielt das Gehalt während den anderen Jahren im Staatsdienst keine Rolle.

 

2. Versorgungslücke

71,75% ist ein sehr guter Deal im Vergleich zur DRV, in der die Ansprüche im Schnitt bei unter 50% des letzten Einkommens liegen. Im Vergleich zu Angestellten haben die Beamten von der Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung profitiert: die Beamtenpension war schon immer voll zu versteuern. Die steigende Versteuerung der DRV-Rente wurde nur unzureichend durch die Absetzbarkeit der Rentenbeiträge kompensiert.

Auch wenn die Versorgungslücke im Vergleich zu Angestellten kleiner sein dürfte, liegen 71,75% als maximaler Pensionsanspruch trotzdem unter den 80% des letzten Gehalts, die als Daumenregel für die Altersrente zu empfehlen sind. Zudem wird dieser Anspruch häufig gar nicht erreicht. Durch die längeren Ausbildungszeiten der Staatsdiener (z.B. Lehrer) oder späte Verbeamtung sinken die erreichten Dienstzeiten. Wer in Frührente geht, verliert analog zur DRV Pensionsansprüche. Gerade weil die Beamten zu 98% privat Krankenversichert sind winken im Alter ein langes Leben und hohe Versicherungsbeiträge. Private Vorsorge ist also trotzdem notwendig.

 

3. Passende Vorsorgeverträge

Neben den gängigen Sparprodukten wie Aktien- oder Anleihenfonds oder ETFs haben auch Beamte Anspruch auf speziell geförderte Produkte für die Altersvorsorge. Im Grunde fällt für sie vor allem die Betriebliche Altersvorsorge weg, die gleichsam in den erhöhten Pensionsansprüchen schon enthalten ist.

3.1 Riester

Beamte sind riesterfähig. Da die Pensionsansprüche analog den Senkungen in der DRV nach unten angepasst werden, haben auch Beamte Anspruch auf Kompensation durch die Riesterförderung. Sie lockt mit direkten staatlichen Zuschüssen („Zulagen“) für Einzahler und deren Kindern. Auch dürfen die Beiträge von der Steuer abgesetzt werden. Stattdessen muss die ausgezahlte Rente versteuert („nachgelagerte Besteuerung“). Das kann sich auf Grund der im Vergleich zum Sold niedrigeren Pension im Alter lohnen. Neben der Riester-Rentenversicherung gibt es auch geförderte Fondssparpläne, Banksparpläne und – fürs Eigenheim – Darlehen. Mehr dazu hier. Generell gilt:

  • Je länger der Zeitraum bis zur Rente, desto wertvoller sind Fonds bzw. ETFs.
  • Kostengünstig sparen, also Fondssparplan mit ETFs.

Für Beamte gibt es aber eine Besonderheit: Sie müssen schriftlich Ihre Einwilligung zur Datenübermittlung und Datenverwendung geben, andernfalls kann die Zulagenstelle den Anspruch nicht prüfen. Sollte außerdem keine Sozialversicherungsnummer für den Antragsteller vorliegen, muss auch eine Zulagennummer beantragt werden. Beides macht man am besten direkt mit der Beantragung des Vertrages.

  • Sind die Einzahlungen steuerfrei? Ja, bis zu einer Höhe von 2.100 Euro pro Jahr pro berechtigtem Sparer.
  • Sind die Anlagegewinne steuerpflichtig? Nein, dafür wird die Auszahlung besteuert. Zudem muss das Geld so angelegt werden, dass mindestens die eingezahlten Beiträge garantiert wieder ausgezahlt werden können.
  • Wie werden die Auszahlungen versteuert? Die Rente wird voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. 30 Prozent des Guthabens lassen sich als Einmalauszahlung auszahlen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, laufende Darlehen auf ein Eigenheim mit der Auszahlung zu Rentenbeginn abzulösen.
  • Kann der Vertrag frei übertragen werden? Nur an Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder.
  • Kann der Vertrag verkauft oder beliehen werden? Eingeschränkt. Wer das Geld vor Rentenbeginn entnimmt und nicht in ein Eigenheim investiert, muss die erhaltene Förderung zurückzahlen. Als Alternative kann gegen Gebühr das Guthaben in einen anderen Riester-Vertrag übertragen werden. Im Falle von Hartz IV oder einer Privatinsolvenz ist das Guthaben vor Gläubigern geschützt.

 

3.2 Basis-Rente

Den Anspruch auf die Rürup-Förderung hat jeder Bürger, also auch Beamte. Beamte zahlen keine Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung. Die Absetzbarkeit der Beiträge der Rürup-Rente wird aber trotzdem für Beamte eingeschränkt. Analog zur Siutation von Angestellten werden – hier fiktive – Beiträge zur Deutschen Rentenversicherung vom Maximalbeitrag abgezogen.

Auf der Anlageseite ist die Basis-Rente zudem flexibler, weil sie keine Vorgaben macht, wie das Geld angelegt werden soll. Dafür kann man sie auch wirklich nur für die eigene Rente verwenden.

  • Können die Beiträge von der Steuer abgesetzt werden? Ja. Sparer können maximal 22.766 € jährlich (Stand: 2016) in eine Basis-Rente einzahlen. Diese Summe wird um die in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlten Beiträge reduziert. Im Jahr 2016 können 82% dieses Betrags von der Steuer abgesetzt werden. Dieser Prozentsatz steigt regelmäßig bis zum Jahr 2025, wo dann 100% möglich sein werden.
  • Wie werden Anlagegewinne versteuert? Während der Ansparphase sind Gewinne steuerfrei.
  • Wie werden die Auszahlungen besteuert? Aktuell mit 72% des persönlichen Steuersatzes. Auch dieser Wert steigt jährlich und wird 2040 volle 100% des persönlichen Steuersatzes erreichen. Entscheidend für die Besteuerung ist das Jahr des Auszahlungsbeginns. Das Guthaben muss lebenslang verrentet werden.
  • Kann der Vertrag frei übertragen/vererbt werden? Das Guthaben des Vertrags ist an Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder vererbbar.
  • Kann der Vertrag verkauft oder beliehen werden? Nein. Dafür ist das Guthaben im Fall von Privatinsolvenz oder Hartz IV vor Gläubigern geschützt.

 

3.3 Private Rente

Die Option der privaten Rentenversicherung besteht außerdem. Das Besondere für Beamte: da sie im Schnitt ohnehin eine relativ hohe Steuerbelastung im Alter haben, ist die Ertragsanteilbesteuerung wichtig. Dabei wird nur ein Anteil der Rente mit dem Steuersatz besteuert, bei dem normalen Renteneintritt mit 67 sind das 17% der Rente. Dafür müssen die Beiträge wie gewohnt aus dem Netto gezahlt werden. Im Vergleich zu dem normalen DRV-Rentner ist diese Form für Beamte wesentlich interessanter, gerade weil Sie in der Verwendung besonders flexibel ist und Themen wie Arbeitslosigkeit und Hartz IV für Beamten eine geringere Rolle spielen.

  • Wer darf sparen? Alle
  • Können die Einzahlungen von der Steuer abgesetzt werden? Nein
  • Wie werden Anlagegewinne versteuert? Sind in dieser Versicherung steuerfrei
  • Wie werden die Auszahlungen versteuert? Nur zum so genannten Ertragsanteil. Wer die Rente mit 67 Jahren beginnt, muss 17% davon versteuern. Wer sich Einmalbeträge auszahlen lässt, muss diese zur Hälfte versteuern. Es gilt jeweils der persönliche Steuersatz.
  • Kann der Vertrag frei vererbt/übertragen werden? Ja
  • Kann der Vertrag verkauft oder beliehen werden? Ja, beides. Achtung: Das bedeutet, dass der Vertrag im Fall von Hartz IV eventuell aufgelöst oder verkauft werden muss.

 

KLAR+ Fazit: Auch bei der privaten Altersvorsorge hat es der Gesetzgeber gut mit seinen Staatsdienern gemeint. Argumentiert man, dass die hohe Grundpension die Betriebsrente von normalen Angestellten sozusagen gleich mit einschließt, stehen Beamten alle Möglichkeiten für die staatliche geförderte Altersvorsorge offen. Tatsächlich ist für sie die private Rentenversicherung sogar noch interessanter als für normale Angestellte. Welche Variante sich am meisten lohnt, berechnet unsere KLAR+ Software.

 

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