Altersvorsorge für Selbständige

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Altersvorsorge für Selbständige

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Das Reserve Konto ist für #Selbständige der Königsweg in der #Altersvorsorge
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Private Altersvorsorge ist für viel Selbständige noch wichtiger als für Angestellte und Beamten, denn im allgemeinen haben Selbständige ja keine verpflichtende Absicherung. Allerdings muss hier unterschieden werden, denn das gilt bei weitem nicht für alle Berufe. Folgende Berufe müssen z.B. auch als Selbständige in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen:

  • Handwerker
  • Lehrkräfte und Erzieher
  • Pflegepersonen und Hebammen
  • Seelotsen und Küstenfischer
  • Künstler, Publizisten, Journalisten und Autoren
  • Selbständige mit einem Auftraggeber

Selbständige Mitglieder dieser Beruf müssen den vollen Rentenversicherungsbeitrag zahlen – und zwar allein (Ausnahme: Künstlersozialkasse). Ohne die Arbeitgeberbeteiligung kommt der volle Beitrag von derzeit 18,7% des Einkommens auf den Versicherten zu. Die Belastung ist also im Vergleich doppelt so hoch. Bei der Rendite auf die Einzahlungen kann die Deutsche Rentenversicherung gerade bei jüngeren Einzahlern daher nicht mit den Lösungen aus der Privatwirtschaft mithalten. Viele Zwangsversicherte fühlen sich daher in der Deutschen Rentenversicherung regelrecht gefangen.

Besser ist die Situation für die Kammerberufe. Deren Mitglieder dürfen anstatt in die Deutsche Rentenversicherung in ein eigenes Versorgungswerk einzahlen – zumindest noch. Dies betrifft z.B. Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Architekten und Psychotherapeuten. Insgesamt gibt es 89 Versorgungswerke in Deutschland. In so gut wie allen ist die Rente höher als eine vergleichbare Rente aus der Deutschen Rentenversicherung.

 

Flexibilität und Spardisziplin

Für alle Selbständigen gilt: Auf Grund der schwankenden Einkommen ist Flexibilität in der Einzahlung umso wichtiger. Etwas, dass die Pflichtversicherungen nicht darstellen wollen oder können. Hier muss ein regelmäßiger Beitrag gezahlt werden, der auf Werten aus der Vergangenheit beruht. Dies kann bei stark schwankenden Einnahmen zu einer echten Belastung werden.

Die privaten Lösungen sind da viel flexibler. Wir empfehlen grundsätzlich, nur niedrige regelmäßige Sparraten abzuschließen und den größten Anteil der Altersvorsorge auf Basis von unregelmäßigen Zuzahlungen aufzubauen. Denn im Fall von allen Versicherungslösungen gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen jährlichen Zuzahlungen und einem jährlichen Beitrag.

  • Beim jährlichen Beitrag werden die Kosten für die gesamte Vertragslaufzeit direkt am Anfang von den ersten Beiträgen abgezogen (sog. Zillmerung). Die Kosten des Vertrages werden also als erstes gezahlt. Sollten dann während der Laufzeit der Vertrag reduziert werden, z.B. durch abgesenkte Beiträge, bleiben die gezahlten Gelder beim Versicherer. Der Versicherte hat also mehr Kosten als nötig gezahlt.
  • Bei jährlichen Zuzahlungen werden nur Kosten für die tatsächlich erfolgte Zuzahlung erhoben. So musst Du Kosten auch wirklich nur für die eingezahlten Beiträge bezahlen. Achte darauf, dass die Versicherungsgesellschaft für Zuzahlungen keinen Bearbeitungsgebühren nimmt.

 

Der Königsweg: das Reservekonto

Wie kann ich jetzt gewährleisten, dass ich trotz flexibler Einzahlung genug Spardisziplin aufbringe, um so viel wie möglich zu sparen? Wir empfehlen einen Trick: die Anlage eines zusätzlichen Kontos, dass speziell für die Rücklage und die Altersvorsorge vorgesehen ist. Grundsätzlich sollten Selbständige ja ohnehin 30% Ihres Einkommens direkt für die Steuer weglegen, am besten auf ein separates Tagesgeldkonto. Wir empfehlen, zusätzlich noch mal 20% auf ein weiteres Konto für die Altersvorsorge zu überweisen. Das Geld wird also direkt abgezweigt und steht nicht mehr so einfach für den Konsum zu Verfügung. Dort liegt es erst mal als „eiserne Reserve“.  Sollte es finanziell mal knapp werden, kann das Geld jederzeit wieder zurück überwiesen werden, um Deine Liquidität zu gewährleisten. Sobald der Kontostand dann einen Betrag erreicht hat, der weit höher als Dein definiertes Sicherheitspolster ist, wird der Überschuss dann in die Altersvorsorge überwiesen. Wir empfehlen das ca. 3-5 fache eines Monatsnettos. Alles darüber hinaus wird langfristig weggelegt. Das kann entweder automatisch passieren („Überschusssparen“) oder du musst regelmäßig selber nach den Beträgen gucken. Das Schöne an diesem System ist, dass immer als erstes Deine Reserve aufgefüllt wird. Du sparst erst langfristig, wenn Du kurzfristig genug Mittel dafür hast.

 

Optionen

Von den staatlich besonders geförderten Varianten fällt die betriebliche Altersvorsorge naturgemäß für die meisten Selbständigen weg. Diese lukrative Option besteht lediglich bei Geschäftsführern einer Kapitalgesellschaft. „Riestern“ kommt nur für in der Deutschen Rentenversicherung  versicherte Personen in Frage. Neben den Möglichkeiten für den allgemeinen Vermögensaufbau wie Aktiendepot, Immobilie oder Festgeld kommen im Grunde nur zwei Vorsorgeformen für alle Selbständigen in Frage: die Basis-Rente und die private Rentenversicherung.

1. Basis- oder Rürup-Rente

Bei der Basis-Rente dürfen die eingezahlten Beiträge von der Steuer abgesetzt werden. Stattdessen muss die ausgezahlte Rente versteuert („nachgelagerte Besteuerung“) werden. Den Anspruch auf die Förderung hat jeder Bürger, Selbständige profitieren aber besonders: Da viele von Ihnen keine Beiträge in die DRV zahlen, können diese die Höchstbeiträge voll ausschöpfen. Gerade bei Einmalanlagen und hohen Zuzahlungen macht das Sinn, denn der Höchstbetrag von 22.766 € (Stand 2016) lässt da durchaus etwas zu. Zum Jahreswechsel kann man also in kurzer Zeit über 44.000 € steuerbegünstigt für die Rente anlegen.

Zudem sind die Bestände in der Basis-Rente vor dem Zugriff von außen geschützt. Auch im Falle von privater Insolvenz oder Sozialhilfebezug wird das hier geparkte Guthaben nicht angefasst. Nicht, bevor man es selber ab dem 62. Lebensjahr entnehmen kann.

  • Können die Beiträge von der Steuer abgesetzt werden? Ja. Sparer können maximal 22.766 € (Stand 2016) jährlich in eine Basis-Rente einzahlen. Diese Summe wird um die in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlten Beiträge reduziert. Im Jahr 2016 können 82% dieses Betrags von der Steuer abgesetzt werden. Dieser Prozentsatz steigt regelmäßig bis zum Jahr 2025, wo dann 100% möglich sein werden.
  • Wie werden Anlagegewinne versteuert? Während der Ansparphase sind Gewinne steuerfrei.
  • Wie werden die Auszahlungen besteuert? Aktuell mit 72% des persönlichen Steuersatzes. Auch dieser Wert steigt jährlich und wird 2040 volle 100% des persönlichen Steuersatzes erreichen. Entscheidend für die Besteuerung ist das Jahr des Auszahlungsbeginns. Das Guthaben muss lebenslang verrentet werden.
  • Kann der Vertrag frei übertragen/vererbt werden? Das Guthaben des Vertrags ist an Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder vererbbar.
  • Kann der Vertrag verkauft oder beliehen werden? Nein. Dafür ist das Guthaben im Fall von Privatinsolvenz oder Hartz IV vor Gläubigern geschützt.

 

2. Private Rente

Bei der privaten Rente wird nur ein Anteil der Rente im Alter mit dem persönlichen Steuersatz besteuert, bei dem normalen Renteneintritt mit 67 sind das 17% der Rente. Für Selbständige, die erst mal Ihre eigene Altersvorsorge aufbauen müssen, ist die Steuerbelastung für die aufzubauende Grundrente im Schnitt erst mal recht niedrig. Die Steuerreduzierung im Alter wird für Selbständige mit geringen Alterseinkünften also eher wenig bringen. Außerdem müssen die Beiträge wie gewohnt aus dem Netto gezahlt werden. Ggf. ergibt sich steuerlich hier also sogar ein Minusgeschäft. Zudem sind die Guthaben vor einem Zugriff von außen nicht viel besser geschützt als alle anderen Vermögensgegenstände auch.

  • Wer darf sparen? Alle
  • Können die Einzahlungen von der Steuer abgesetzt werden? Nein
  • Wie werden Anlagegewinne versteuert? Sind in dieser Versicherung steuerfrei
  • Wie werden die Auszahlungen versteuert? Nur zum so genannten Ertragsanteil. Wer die Rente mit 67 Jahren beginnt, muss 17% davon versteuern. Wer sich Einmalbeträge auszahlen lässt, muss diese zur Hälfte versteuern. Es gilt jeweils der persönliche Steuersatz.
  • Kann der Vertrag frei vererbt/übertragen werden? Ja
  • Kann der Vertrag verkauft oder beliehen werden? Ja, beides. Achtung: Das bedeutet, dass der Vertrag im Fall von Hartz IV eventuell aufgelöst oder verkauft werden muss.

 

3. Für alle DRV-Zwangsversicherten: Riester

Wer in die Deutsche Rentenversicherung einzahlt ist auch „riesterfähig“. Die Förderung lockt mit direkten staatlichen Zuschüssen („Zulagen“) für Einzahler und deren Kindern. Auch dürfen die Beiträge von der Steuer abgesetzt werden und werden erst in der Rente besteuert. Auf Grund der im Alter zu erwartenden niedrigen Renten kann sich das lohnen. Neben der Riester-Rentenversicherung gibt es auch geförderte Fondssparpläne, Banksparpläne und – fürs Eigenheim – Darlehen. Mehr dazu hier. Generell gilt: je jünger der Einzahlende, desto mehr lohnt sich ein Riesterfondssparplan mit Anlage in kostengünstigen ETFs.

  • Sind die Einzahlungen steuerfrei? Ja, bis zu einer Höhe von 2.100 Euro pro Jahr pro berechtigtem Sparer.
  • Sind die Anlagegewinne steuerpflichtig? Nein, dafür wird die Auszahlung besteuert. Zudem muss das Geld so angelegt werden, dass mindestens die eingezahlten Beiträge garantiert wieder ausgezahlt werden können.
  • Wie werden die Auszahlungen versteuert? Die Rente wird voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. 30 Prozent des Guthabens lassen sich als Einmalauszahlung auszahlen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, laufende Darlehen auf ein Eigenheim mit der Auszahlung zu Rentenbeginn abzulösen.
  • Kann der Vertrag frei übertragen werden? Nur an Ehepartner oder kindergeldberechtigte Kinder.
  • Kann der Vertrag verkauft oder beliehen werden? Eingeschränkt. Wer das Geld vor Rentenbeginn entnimmt und nicht in ein Eigenheim investiert, muss die erhaltene Förderung zurückzahlen. Als Alternative kann gegen Gebühr das Guthaben in einen anderen Riester-Vertrag übertragen werden. Im Falle von Hartz IV oder einer Privatinsolvenz ist das Guthaben vor Gläubigern geschützt.

KLAR+ Fazit: Selbständige haben es bei der Altersvorsorge besonders schwer. Die Rente muss alleine ohne Hilfe eines Arbeitgebers angespart werden, es gibt nur wenige Fördermöglichkeiten und dann ist das Risiko einer Insolvenz auch noch besonders hoch. Die Basis-Rente bietet zumindest Förderung und Schutz vor Zugriff nach Insolvenz, kein Wunder, dass sie oft als einzige Form der Vorsorge für Selbständige angesehen wird. Für in der DRV zwangsversicherte gibt es immerhin noch die Option der Riesterförderung, die noch ein bisschen stärker als die Basis-Rente gefördert wird.

 

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  • Dr. Jürgen Nawatzki

    Reply

    Hallo Alexander,

    schöner Übersichtsartikel über Altersvorsorge für Selbständige. Wenn man selbständig ist braucht man viel Disziplin, um regelmäßig etwas fürs Alter zurückzulegen. Das gilt vor allem, wenn das Einkommen stark schwankt oder nicht besonders hoch ist. Da brauche ich persönlich eine sehr flexible Anlage. Deshalb bin ich ein großer Fan von ETF-Sparplänen, bei denen ich jederzeit meine Sparrate ändern oder auch mal ganz aussetzen kann. Und die Rendite von Aktien-ETFs stimmt langfristig auch. Für mich genau das richtige Anlageinstrument.

    Viele Grüße

    Jürgen

    • klar Post author

      Reply

      Hallo Jürgen,
      eine absolut sinnvolle Strategie. Zumal Du Dich ja offensichtlich auch gerne selbst um Deine ETFs kümmerst… 😉
      Gruß
      Alex

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