Die Wahrheit über die Riester-Lüge

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Die Wahrheit über die Riester-Lüge

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Die #Riester Lüge: in Wahrheit ein Problem der #Versicherung
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„Riester lohnt sich nicht.“ Immer wieder hört man Stimmen, die diese Position mit Vehemenz und einer gewissen Selbstverständlichkeit vertreten, „das weiß man ja“. Einige sprechen sogar von „Fiasko“ oder „Volksverarsche“. Dabei bringen diese selbsternannten Experten in der Regel die folgenden Gründe vor, die sich bei näherer Betrachtung als kurzsichtig oder nicht haltbar erweisen.

 

1. Die Riester-Rente wird auf die Grundsicherung angerechnet

Die Riester-Rente zählt in der Tat – wie alle anderen Spar- und Ertragsformen auch! – zum bei der Grundsicherung im Alter anrechenbaren Einkommen. Grundsicherung kann es wie die Sozialhilfe nun mal nur für diejenigen geben, die sonst keine andere Möglichkeit des Überlebens hätten. Aber daher auf Sparen fürs Alter zu verzichten, bedeutet diesen Zustand bewusst anzustreben und herbeizuführen. Das ist zynisch und schlicht asozial.
Dieses Argument zieht insbesondere nur dann, wenn die Höhe der gesammelten Einkommen des Sparers nicht für den Sprung über die Mindestabsicherung reichen würde. Das mag mit dem sinkenden Rentenniveau schwieriger werden. Tatsächlich ist es aber auch heute bei unserer momentan „reichen“ Rentnergeneration schon so, dass 23% der Westdeutschen Männer und 60% der Frauen allein mit Ihrer DRV-Altersrente ein angenommenes Grundrentenniveau von 600 € laut Mikrozensus 2011 nicht erreichen würden. Trotzdem geht es den Rentnern gut: Denn nur 64% der ausgeschütteten Renteneinkommen stammen aus der Deutschen Rentenversicherung – und das ganz ohne Riester. Man kann also auch für die Zukunft davon ausgehen, dass die allermeisten Rentner weiterhin aus verschiedenen Quellen mehr als die Grundsicherung bekommen werden und sich der Riester für sie lohnt.

2. Die Riester-Rente hat zu hohe Kosten

Oft wird geschrieben, Riester-Renten hätten sehr hohe Kosten. Absolut richtig.
Allerdings sind sie damit beileibe nicht die einzigen. Tatsächlich sind andere, nicht geförderte Rentenversicherungstarife sogar häufig noch teurer. Als die ersten Riestertarife Anfang des Jahrtausends auf den Markt kamen, waren diese sogar günstiger kalkuliert als „normale“, klassische Rentenversicherungen.
Mittlerweile greift dieses Argument ohnehin zu kurz bzw. noch weniger, denn es gibt wesentlich günstigere Möglichkeiten. Da wären einmal die sogenannten Nettotarife, die auf Vertriebsprovision verzichten und die Verwaltungskosten stark gesenkt haben. Diese Tarife werden von Honorarberatern vermittelt (z.B. www.vorsorgekampagne.de). Viele Tarife bieten zudem ETFs als günstige Anlagealternative zu gemanagten Fonds an, so dass auch die Anlagekosten reduziert werden können.
Oder man verwendet gleich einen Fondssparplan anstellen einer Rentenversicherung, da sind die Vertriebsprovisionen von vornherein nicht so ungünstig. Die starke Kritik und Fixierung auf die Riester- Rente lässt häufig in den Hintergrund treten, dass es schon immer günstigere Formen für die Geldanlage im Riester-Mantel gab.

3. Die Riester-Rente erwirtschaftet keine Zinsen

Auch hier ist das Problem vordergründig nicht von der Hand zu weisen: die Riester-Rente bringt keine Zinsen mehr. Allerdings muss man aufpassen, was man vergleicht.
Für viele Vergleiche wird der Garantiezins als Grundlage herangezogen mit dem Argument, dass das ja die einzig garantierte Ablaufleistung wäre. Dieser ist in den letzten Jahren von 4% um die Jahrtausendwende auf 1,25% in 2015 gesunken. Natürlich nehmen sich die Zinsen da sehr mager aus, auf Grund der aktuellen Niedrigzinsphase können die Zinsen aber gar nicht hoch sein. Die Kosten eine Vertrag spielen dann im Vergleich eine besonders große Rolle. Allerdings gibt es auch hier eine Alternative im Riesteruniversum, die besser ist: wer die garantierten Zinsen maximieren will, sollte mit einem Riesterbanksparplan rechnen. Denn hier sind nicht nur die garantierten Zinsen höher, auch die Kosten eines Banksparplans sind niedriger als bei einer Versicherung.
Wir empfehlen aber eher, in Sparformen zu investieren, die viel mit Aktien arbeiten. Nur so lässt sich ein wirklich zufriedenstellender Zins erwirtschaften und langfristig ist auch das Risiko eines Verlustes minimiert. Hier lässt sich aber kein einfacher Zins annehmen, der Ertrag hängt vom individuellen Aktieninvestment ab. Daher werden diese Sparformen wie fondsgebundene Riesterrente oder Riesterfondssparplan häufig gar nicht erst zu Analysen und Vergleichen herangezogen. Mit einer durchschnittlichen Fonds- oder ETF-Performance kommt der Riesterfondssparplan aber zu sehr guten Anlageergebnissen.

4. Die Versicherten müssten viel zu alt werden, damit sich die Rentenversicherung lohnt.

Auch hier geht es also eher um die Versicherung. Tatsächlich werden die Menschen aller Voraussicht nach viel älter als wir uns das heute vorstellen. Ein Fakt, der uns eigentlich freuen müsste.
Nehmen wir ein Beispiel: 2011 lag die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer bei 81 Jahren. Trotzdem wird ein heute 30jähriger als Rentner viel älter werden. Denn erstens steigt die Lebenserwartung jedes Jahr, laut Statistischem Bundesamt hat ein 30jähriger heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von voraussichtlich 85 Jahren. Zweitens steigt die Erwartung bis zum Rentenantritt mit ca. 60 Jahren noch mal um 2-3 Jahre. Schließlich kann er zwischen 30 und 60 nicht mehr versterben.
Dies ist natürlich nur der Durchschnitt, viel Versicherte leben wesentlich länger. Wir reden aber von einer Versicherung, bei der eine Umverteilung in der Versichertengemeinschaft automatisch mit einberechnet ist. Die Personen, die früh versterben, müssen die Langlebigen mit finanzieren. Allerdings schließen fast alle Versicherten ein Rentengarantiezeit oder Guthabenrückerstattung ab, d.h. selbst im Fall eines frühen Todes geht das Geld an Angehörige und nicht an die anderen Versicherten. Jeder einzelne Sparer nimmt sich also möglichst lange aus der Versichertengemeinschaft aus. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Versicherer ohnehin immer sehr konservativ rechnen (müssen) und bei Überschüssen die kalkulierten Renten auch noch angehoben werden, wird klar, woher Lebenserwartungen von weit über 90 in der Altersberechnung herkommen. Trotz der Höhe sind diese Zahlen vertretbar und mathematisch realistisch.
Zudem gibt es für die Riesterförderung Verwendungsmöglichkeiten, bei der die Lebenserwartung keine Rolle spielt, wie z.B. die Finanzierung eines Eigenheims oder bei der möglichen Teilauszahlung. Bei neueren Verträgen kann auch relativ günstig der Anbieter gewechselt werden: kurz vor Rentenantritt kann der Sparer sich noch mal genau den Anbieter aussuchen, der die beste Rente fürs Geld bietet.

 

KLAR+ Fazit: Die meisten Probleme, die mit dem Thema Riester in Verbindung gebracht werden, sind nicht der Förderung, sondern der Investitionsform der klassischen Rentenversicherung anzulasten. Diese dominieren leider die Diskussion. Durch die berechtigte Kritik an der klassischen Riester-Rente rücken die Vorteile anderer Riester-Sparformen in den Hintergrund. Richtig angewendet lohnt sich die Riester-Förderung für die allermeisten Sparer aber auf jeden Fall.

  • Uli

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    Hallo, aus meiner Sicht ist die Kostenstruktur bei Riesterverträgen der erste Konstruktionsfehler, der seinerzeit begangen wurde. Eine Zusatzrente ließe sich doch sicherlich auch teuer Provisionszahlungen für Vertrieb aufbauen, oder?

    Und – das Ausweichen auf Fonds Sparpläne oder Bank Sparpläne verschiebt den Kosten Teil, der durch eine Versicherung entsteht, lediglich auf die Zukunft.

    • klar Post author

      Reply

      Hallo Uli,
      eine Zusatzrente mit wenig oder ohne Provisionszahlungen gibt es ja mittlerweile. Honorartarife oder besonders kostengünstige Tarife lassen sich ja durchaus finden. Der informierte und engagierte Verbraucher hat da durchaus Möglichkeiten. Riesterverträge müssen ja auch zwingend erst mit 85 in eine Versicherung umgewandelt werden, da kann vorher schon einiges entnommen werden und die Kosten sinken.
      Riester hat aber auch gezeigt, dass Altersvorsorge ohne Vertriebsanreize leider nicht richtig funktioniert. Erst mit der Umstellung der Verprovisionierung von den ersten 10 auf die ersten 5 Jahre und weniger sind die Abschlusszahlen nach oben gegangen. Auch 10 Jahre später merkt man, dass viele Menschen in der Bevölkerung immer noch jemanden brauchen, der sie zur Altersvorsorge überredet. Ich wünschte, es wäre anders; die Erfahrung zeigt aber, dass es noch nicht funktioniert.
      Die Kostendiskussion bzgl. des Riesters trägt im Endeffekt dazu bei. Dadurch, das die Diskussion immer nur auf das Problem Kosten abhebt und weniger auf die Lösung – Honorartarife oder Fondssparpläne – traut sich der Verbraucher im Endeffekt gar nicht mehr, irgendetwas zu tun. Genau dagegen habe ich diesen Blog geschrieben.

  • Florian

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    Hallo Alexander,

    vielen Dank für dein Elan. Ich habe hier mal einen guten Artikel zu Riester gefunden.
    http://www.welt.de/finanzen/altersvorsorge/article144214302/Riester-Sparer-schenken-Fiskus-ihr-Foerder-Geld.html

    Gutes Neues Jahr und beste Grüße

    Florian

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