Die richtige Geldanlage für Kinder

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Die richtige Geldanlage für Kinder

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#Kapitalversicherungen: auch für Kinder ein #Renditesparmodell
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Für meinen Freund Peter begann die schlimmste Zeit seiner Jugend, als er reich wurde. Wir waren im selben Jahrgang auf dem Gymnasium, und wir waren beide nie besonders gute Schüler. Aber irgendwie sind wir immer durchgekommen. Bis er 18 wurde und auf einmal fast 50.000 Euro bekam. Das Erbe seines früh verstorbenen Vaters, auf das er nun endlich zugreifen durfte.

Am Anfang fand ich es noch irgendwie cool, als Peter plötzlich Autos, Partys und die dazugehörigen Drogen zu seinen neuen Hobbys machte. Denn wir hatten ja auch etwas davon, wenn wir plötzlich mit ihm Champagner tranken und er uns mit stolzen 18 Jahren die Unterschiede zwischen Veuve Cliquot und Dom Perignon erklären konnte.

Ich möchte hier keine Details erzählen. Nur so viel: Das Geld hielt nicht ewig. Und dass ihn die Schule plötzlich noch weniger interessierte, war auch nicht gerade hilfreich.

Ich habe also aus erster Hand erlebt, was passieren kann, wenn man als junger Mensch plötzlich Zugang zu so viel Geld hat. Inzwischen habe ich selber drei Kinder. Und das, was Peter erlebt hast, ist nun so gar nicht die Art von Lebenserfahrung, die ich meinem Nachwuchs mitgeben will. Die Erfahrung sitzt so tief, dass ich meinen Vater erst einmal gestoppt habe, als er meinen Söhnen gleich zu ihrer Geburt ein wenig Geld schenken wollte.

Auf der anderen Seite: Natürlich werden meine Kinder das Geld später gut brauchen können. Führerschein, Studium, eigene vier Wände, Altersvorsorge – alles Themen, die Geld kosten und die unweigerlich auf sie zukommen. Vorenthalten will ich Ihnen das nicht. Ich habe für das Thema meine eigene Lösung gefunden. Und mir für diesen Blog noch ein paar mehr Gedanken dazu gemacht.

Geld richtig anlegen – Kurz- und langfristig

Was sinnvoll ist, hängt wie immer bei einer Anlage auch vom Ziel ab. Möchte ich Geld für ein wichtiges Lebensziel des Kindes sparen oder soll es etwas sein, wo das Kind auch schon in jungen Jahren dran darf?

Kurzfristig – der Honigtopf

Wenn es um einen Honigtopf geht, wo der Nachwuchs auch ab und zu mal seinen Finger reinstecken darf, ist die Frage einfach: das gute alte Sparbuch ist durch nichts zu ersetzen. Nicht, weil es so tolle Zinsen gibt. Wegen des pädagogischen Effekts.

Mit dem Sparschwein zur Bank, das Sparbuch vorlegen, sehen wie der Drucker eine neue Zahl, ein neues Guthaben verbucht, das Sparbuch zu Hause in die Schublade legen und wissen, wie viel Geld man auf der Bank hat – das ist echtes Lernen, wie man mit Geld umgeht. Da kann man stolz auf das Angesparte sein, kann selber entscheiden, für welche Spielerei man das Geld wieder ausgibt. Und wenn sie zwei Wochen später wieder unbenutzt in der Ecke liegt – sei‘s drum. Geld ist weg, Lektion (hoffentlich) fürs Leben gelernt.

Bei diesem Gefühl, Geld als echtes Buch zu haben, kann kein Onlineangebot und keine ständig schwankende Geldanlage mithalten. Aus meiner Sicht der einzige Grund, warum es heute noch Sparbücher gibt und warum man hier auch einen extra Sparvertrag machen sollte. Oma, Opa, Onkel und Tanten können dann auch besser entscheiden, ob sie potentielle Konsumausgaben wie Playstation oder Mofa finanzieren wollen oder es etwas „fürs Leben“ sein soll.

Langfristig – dann bitte richtig

Wenn es aber um eine langfristige Geldanlage und echte materielle Unterstützung für das spätere Leben geht, ein Ziel wie Studium oder Eigenheim, dann wird die Sache komplizierter. Zumindest bedeutet es, das die Anlage über viele Jahre laufen wird, in der Regel 15 Jahre oder mehr. Selbst ein Jahr im Ausland oder ähnliche teure aber sinnvolle Ausgaben stehen vorher normalerweise nicht an.

Durch den langfristigen Anlagehorizont kommt damit nur eine Anlageklasse wirklich in Frage: Aktien. Gleichzeitig bietet ein Depot auch die Möglichkeit, Zusatzbeträge wie nach Taufe oder Konfirmation gleich mit anzulegen. Tagesgeld, Banksparplan oder Bausparverträge sind im Allgemeinen zu unflexibel oder schlicht zu wenig ertragreich. Ein Aktiendepot oder Fondsparplan bietet sich also als Erstes für die langfristige Anlage an.

Aktienfonds oder ETF?

Wer zum Bankberater geht, der wird in der Regel einen oder mehrere Aktienfonds angeboten bekommen, wenn er nach einer langfristigen Geldanlage in Aktien fragt. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll. Dennoch gibt es ein Aber, und das lautet ETF oder „Exchange Traded Fund“ – ebenfalls ein Fonds, der allerdings in den Verwaltungskosten viel günstiger ist und sich deshalb auf lange Sicht eigentlich immer deutlich mehr lohnt, als ein klassischer Aktienfonds.

Grundsätzlich ist der Ansatz eines Aktienfonds gut. Anstatt in eine oder wenige statische Aktien zu investieren, legt der Fonds in eine breite Mischung an. Das reduziert das Risiko, wenn es mal einer oder wenigen einzelnen Aktien nicht so gut geht. Die Auswahl, welche Aktien genommen werden und wann und wie sie umgeschichtet werden, trifft ein Fondsmanager. Das nennt sich dann aktiv gemanagter Fonds.

Allerdings lässt der Fonds sich das auch was kosten. Im Durchschnitt 1,5 bis 2 Prozent des angelegten Geldes – jedes Jahr. Deshalb lohnt sich die günstigere Alternative ETF. Hier verfolgt der Fonds ganz einfach einen Index, zum Beispiel den DAX. Das heißt dann passiv gemanagter Fonds. Im Blick auf die Vergangenheit liegt man damit immer im oberen Drittel aller Fonds, ob aktiv oder passiv gemanagt. Gleichzeitig zahlt man aber weniger als 0,5 Prozent Gebühren pro Jahr. Insbesondere bei längeren Laufzeiten läppert sich das ganz schön.

Geld auf die Kinder übertragen? – Was weg ist, ist weg

Nach der Entscheidung, wo man anlegt, folgt auch gleich die nächste: Wem gehört das Geld?

Die Frage ist berechtigt: Wieso sollte man überhaupt das Geld auf die Kinder übertragen? Man kann doch einfach warten, bis sie alt genug sind. Man legt selber ein eigenes Konto oder Depot an und spart die Beiträge dort. Dann kann man immer noch entscheiden, wie und wann man das Vermögen überträgt.

Es gibt dabei allerdings einen gravierenden Nachteil, und zwar die Steuer. Wer Zinsen erzielt, darf davon pro Jahr nur gut 800 Euro steuerfrei behalten (das doppelte bei Ehepaaren). Viele Eltern brauchen diesen Sparerfreibetrag schon für ihre eigene Vorsorge. Zusätzliche Erträge werden also mit der Abgeltungssteuer belegt. Die summiert sich inklusive Soli und Kirchensteuer zu rund 28,5 Prozent der Erträge. Wer 4 Prozent Rendite erzielt, dem bleiben also weniger als 3 Prozent pro Jahr. Auch das läppert sich auf Dauer.

Steuerlich besser ist es also, den Freibetrag der Kinder zu nutzen und diesen von vornherein das Geld zu übertragen. Dieser Steuervorteil ist dann aber an einen Zweck gebunden: das Geld muss tatsächlich für das Kinder ausgegeben werden, auch wenn man es schon vor dem 18. Lebensjahr verwendet. Tricksen gilt dabei nicht: Erst Geld übertragen, Steuer sparen und dann im letzten Moment das Geld wieder zurück übertragen, das funktioniert nicht. Dann bekommt man Ärger mit dem Finanzamt oder sogar dem Familiengericht. Ganz wie man bei uns in Köln sagt: Wat fott is, is fott.

Versicherungen sind ein Renditesparmodell

Zum Steuern sparen bieten sich auch Lebens- und Rentenversicherungen an, gerade auf fondsgebundener Basis. Die Argumente sind auch einleuchtend: man kann schon heute mit Aktien für die Kinder sparen, die Versicherung läuft aber auf die Eltern. Trotzdem müssen die Erträge noch nicht versteuert werden, da sie erst einmal im Versicherungsmantel verbleiben. Zu einem beliebigen Zeitpunkt kann man die Versicherung dann auf die versicherte Person, das Kind, überschreiben. Also erst, wenn man sich auch wirklich sicher ist, dass es das Geld nicht für irgendeinen Mist auf den Kopf haut. Die Steuer fällt erst dann an, wenn das Kind das Geld dem Vertrag entnimmt. Bei einem wahrscheinlich niedrigen Einkommen in jungen Jahren ergeben sich so Steuervorteile.

Auf Basis meiner persönlichen Story habe ich daher Zeit meines Beraterlebens werdenden Eltern immer eine Lebens- oder Rentenversicherung ans Herz gelegt, am besten fondsgebunden („Als monatlichen Beitrag schlage ich das Kindergeld vor. Das Geld bekommen Sie ja zusätzlich und das soll ja schließlich auch für die Kinder sein, nicht wahr?“).  Und so weit war das in der Theorie auch in Ordnung.

Nur: Als guter Berater macht man ja auch immer selber das, was man seinen Kunden empfiehlt. 2004 habe ich also einen sogenannten Kindervorsorgeplan für meine älteste Tochter abgeschlossen, im Grunde eine fondsgebundene Lebensversicherung mit neuem Namen (bei anderen Versicherungen haben die Pläne wenigstens niedliche Namen wie Pumuckl, Biene Maja oder Einstein Junior). Meine Tochter macht demnächst Abitur – und im Vertrag ist noch nicht mal das drin, was ich über die letzten 12 Jahre eingezahlt habe. Super Deal! Da hab ich mir neben den Steuern auch gleich die Rendite gespart. Da hätte ich das Geld lieber auf meinen Namen in einem ETF-Portfolio angelegt.

Risikoversicherungen

Versicherungen können aber auch anderes, nämlich ganz klassisch absichern. Das ist vielen Eltern sehr wichtig. Wer mal ein zerbrechliches Neugeborenes auf dem Arm gehabt hat, weiß warum. Insbesondere Unfallversicherungen erfreuen sich bei Eltern großer Beliebtheit, „denn wie schnell ist da was passiert!“ Passieren tut allerdings auch bei einer Unfallversicherung etwas. Lediglich die finanziellen Folgen können abgemildert werden. Ist da eine Einmalzahlung wie bei vielen Unfallversicherungen üblich der richtige Weg? Eine Einmalzahlung hilft vielleicht, das Haus um zu bauen, wenn man als Erwachsener im Rollstuhl sitzt. Bei Kindern steht aber eher die regelmäßige, ggf. lebenslange Pflege im Vordergrund. Daher empfehlen Verbraucherschützer vor allem Invaliditätsrenten viel eher als Unfallversicherungen.

Im Falle eines Falles ist ohnehin eine gute gesundheitliche Versorgung das wichtigste. Daher bietet sich wenn eine Zusatzabsicherung in der Krankenversicherung an. Ambulante Zusatzversorgung klingt verlockend, wer möchte denn schon beim Kinderarzt lange warten. Da hat der PKV- Status natürlich Vorteile. Richtig wichtig ist allerdings vor allem die Behandlung im Krankenhaus. Ich würde mir nie verzeihen, wenn ich die notwendige, aber teure Operation für meine Kinder nicht bezahlen kann. Egal wie wahrscheinlich das ist. Da nimmt sich ein bisschen Zeit im Wartezimmer vom Kinderarzt als eher nebensächlich aus.

Zusatzabsicherungen wie Ausbildungsversicherungen und Elternpflegerente hören sich toll an. Dann ist das Wohl der Kinder nicht mehr vom Gesundheitszustand der Eltern abhängig. Aus meiner Sicht ist das aber quatsch. Erstens sind diese Versicherungen extrem teuer, an diesen kleinen Zusatzversicherungen verdienen die Versicherer am meisten. Meine Absicherung sollte außerdem ohnehin so gut sein, dass ich auch meinen Kindern eine Zukunft ermöglichen kann, wenn ich selbst berufsunfähig bin.

Denn das ist allerdings unbedingt notwendig: die eigene Absicherung an die neue Lebenssituation anzupassen. Die Todesfallsumme der Risikolebensversicherung muss erhöht bzw. erstmals abgeschlossen werden. Für Familien mit Kindern wird die Absicherung von zwei bis drei Jahresnettoeinkommen empfohlen, zusätzlich zu anderen Absicherungsfaktoren wie finanziell abhängiger Partner und offene Darlehen. Auch Haftungsschäden sollten mit eingeschlossen werden. Die Privathaftpflichtversicherung sollte auf jeden Fall eine Klausel mit einschließen, die auch Kinder unter 7 Jahren, die eigentlich nicht deliktfähig sind, mit einschließt. Schließlich will man ja nicht unbedingt jeden Schaden einfach abweisen, wenn z.B. das Kind das neue Auto den Nachbarn mit Kieselsteinen wäscht. Sonst zieht das Kind irgendwann zum Studium aus und man kann mit seinem Nachbarn immer noch nicht wieder friedlich reden.

Fazit: Meine Lösung

So sieht dann auch meine ganz persönliche Lösung für meine Kinder aus. Die Risikolebensversicherung habe ich angepasst, Absicherung in der Haftung ist durch die Privathaftpflicht  gegeben und in der Krankenversicherung hat sich die gute stationäre Absicherung des Sohnes beim Beinbruch schon bezahlt gemacht.

Für die Geldanlage scheint es keine einfache Komplettlösung zu geben. Wenn man das Geld ohne dritte Person wie Familiengericht oder Treuhänder übertragen möchte (so viel ist es dann vielleicht doch nicht), gibt es im Grunde keine „steuersichere Option“. Ein gemeinsames Konto von Eltern und Kindern ist der erste Schritt: hier können beide Parteien dann nur gemeinsam auf das Konto zugreifen. Ein separater Vertrag kann dann den Betrag der Schenkung regeln. Somit kann ich zumindest sicher sein, dass nichts ohne meine Zustimmung passiert – allerdings ist nicht sicher, dass das Finanzamt dieses Modell auch akzeptiert. Das wird individuell entschieden. Es ist mir aber definitiv lieber, wenn von dem Geld Steuern gezahlt werden als Drogen.

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