Betriebliche Altersvorsorge

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Die betriebliche Altersvorsorge ist einer der beliebtesten, aber leider auch komplizierteren Wege, um für das Alter vorzusorgen. Du solltest Dich auf jeden Fall damit beschäftigen, wenn Du als Angestellter arbeitest. Häufig bieten sich steuerliche Vorteile oder die Chance auf Zuschüsse vom Arbeitgeber. Grundsätzlich musst Du zwei Dinge unterscheiden:

  1. Wer finanziert die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge?
  2. Welche Kategorie (Durchführungsweg) der betrieblichen Altersvorsorge ist die beste für mich?

 

  1. Finanzierung

Hier gibt es zwei Alternativen: Finanzierung durch den Arbeitnehmer oder durch den Arbeitgeber. Es sind auch Mischformen üblich, bei denen Du zwar selbst etwas von Deinem Gehalt einzahlst, der Arbeitgeber den Betrag aber aufstockt.

1.1 Finanzierung durch den Arbeitnehmer

Die einfachste Variante. Du zahlst selbst einen festen Betrag pro Monat in einen entsprechenden Vertrag ein. Der Vorteil: Das Geld wird vom Bruttolohn abgezogen, also weder versteuert noch mit Sozialabgaben belegt. Netto wird Dir also in der Regel deutlich weniger Geld fehlen, als Du in den Vertrag einzahlst. Allerdings musst Du später von der Auszahlung Steuern und Sozialabgaben bezahlen. Weil Du im Alter meist jedoch weniger Einnahmen hast, dürften diese niedriger liegen als heute. Die Rendite nach Steuern dürfte deshalb voraussichtlich höher sein als die bloßen Zinsen, die die Vorsorge abwirft. KLAR+ kann Dir eine Einschätzung liefern, wie hoch diese so genannte Nettorendite liegen wird – auch im Vergleich zu anderen Anlageformen.

1.2 Finanzierung durch den Arbeitgeber

Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Der Arbeitgeber zahlt den Beitrag, damit erhältst Du sozusagen durch die Hintertür ein höheres Gehalt. Das ist allerdings fest an den Sparvertrag gebunden und kann nicht einfach ausgezahlt werden. Außerdem muss es, ebenso wie bei der eigenen Finanzierung, später versteuert und mit Sozialabgaben belegt werden. Unter dem Strich lohnt es sich aber. Allerdings knüpfen viele Arbeitgeber die Förderung an bestimmte Bedingungen, zum Beispiel eine Mindestzeit, die Du bereits angestellt bist.

 

2 Die Durchführungswege

2.1 Direktversicherung und/oder Pensionskasse

Die Standardlösung in der betrieblichen Altersvorsorge. Die unterschiedlichen Namen stammen noch aus früheren Zeiten, seit dem Jahr 2005 sind die beiden fast identisch. Die Direktversicherung ist von der Funktionsweise her unter dem Strich eine klassische private Rentenversicherung. Voraussetzung ist, dass die Versicherung garantiert, später zumindest die eingezahlten Beiträge wieder auszuzahlen. Die Direktversicherung ist relativ flexibel. Beiträge können relativ einfach ausgesetzt oder abgesenkt werden. Außerdem ist es relativ einfach, eine bereits begonnene Absicherung zu einem neuen Arbeitgeber mitzunehmen. Auf der anderen Seite kann die Auszahlung der Rente allerdings nicht vor dem 62. Lebensjahr beginnen (60. Lebensjahr bei Verträgen, die vor 2013 abgeschlossen wurden). Bei der Auszahlung kannst Du Dich entscheiden, ob Du das gesparte Geld auf einmal oder als lebenslange Rente erhalten möchtest.

2.2 Pensionsfonds

Funktioniert ähnlich wie die Pensionskasse, jedoch mit dem Unterschied, dass der Fonds zusätzlich gegen Ausfall versichert werden muss. Das kostet Geld und ist deshalb nicht zu empfehlen. Wenn Du die Wahl hast, ist die Direktversicherung/Pensionskasse in der Regel die bessere Wahl. Einen Pensionsfonds abzuschließen lohnt sich daher meist nur, wenn Dein Arbeitgeber keine anderen Möglichkeiten zulässt.

2.3 Unterstützungskasse

Die Unterstützungskasse wählen oft leitende Angestellte mit einem hohen Einkommen. Sie bietet den Vorteil, dass Du dort über die anderen Durchführungswege hinaus zusätzliches Geld einzahlen kannst. Auch hier kann der Arbeitgeber sich beteiligen. Der Nachteil ist jedoch, dass dieser Weg eher unflexibel ist. Beitragspausen oder –senkungen sind nicht vorgesehen und es ist schwierig, den Vertrag auf einen neuen Arbeitgeber zu übertragen. Trotzdem ist diese Lösung bei Unternehmen relativ beliebt, weil so wichtige Arbeitnehmer gebunden werden können. Außerdem muss der Arbeitnehmer keine Garantien für die spätere Rente übernehmen.

2.4 Direktzusage

Direktzusagen sind inzwischen kaum noch üblich, weil der Arbeitgeber hier sehr stark in der Pflicht steht. Er gibt dem Angestellten eine feste Zusage für eine bestimmte Rente bei Renteneintritt, abhängig von dessen Einzahlungen. Das bedeutet ein höheres Risiko für den Arbeitgeber, insbesondere wenn das für den Arbeitnehmer angelegte Geld nicht die gewünschte Rendite abwirft. Der Fachausdruck dafür, dass die Höhe der Rentenzusage von den Einzahlungen abhängt, ist „deferred compensation“.

 

3 Wissenswertes zur betrieblichen Altersvorsorge

3.1 Zusatzversicherungen

Zusatzversicherungen wie zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) können Teil einer betrieblichen Altersvorsorge sein. Allerdings müssen auch hier die Auszahlungen voll versteuert werden, was sie eher unattraktiv macht. Du solltest allerdings einen Blick auf die Angebote werfen, wenn Du wegen der Gesundheitsprüfung Probleme hast, einen normalen Vertrag außerhalt der bAV abzuschließen. Manchmal gibt es so genannte Rahmenverträge, mit denen Du als Teil der bAV ohne zusätzliche Prüfung zum Beispiel eine BUV abschließen kannst.

3.2 Steuer- und sozialversicherungsfreie Obergrenzen

  • Direktversicherungen/Pensionskassen/Pensionsfonds

Steuer- und sozialabgabenfreie Einzahlung von bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (BGG) zur Deutschen Rentenversicherung West. Falls vor dem Jahr 2005 keine Direktversicherung bestand, kommen pro Jahr noch maximal 1.800 Euro dazu.

  • Unterstützungskasse

Unbegrenzt steuerfrei, bis zu 4 Prozent der BGG Deutsche Rentenversicherung West sozialabgabenfrei

 

3.3 Übertragbarkeit

Die bAV kann übertragen werden auf

  • Ehepartner
  • eingetragene Lebenspartner
  • kindergeldberechtigte Kinder
  • nicht eingetragene Partner bei vorheriger Erklärung

 

3.4 Auszahlung

Du hast immer die Wahl, Dir die bAV entweder als einmalige Summe oder als lebenslange Rente auszahlen zu lassen. Bei Direktversicherungen/Pensionskassen sind darüber hinaus auch Teilauszahlungen möglich. Der Nachteil der Einmalauszahlung ist, dass der gesamte Betrag auf einmal mit Steuern und Sozialabgaben belegt wird. Eine Ausnahme bildet die Unterstützungskasse, hier ist auch die Fünftelungsregelung (§34 EStG) möglich.

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