Zillmerung

Mit „Zillmerung“ wird ein mathematisches Verfahren zur Bestimmung des Werts einer Lebens- oder Rentenversicherung bezeichnet, benannt nach dem Mathematiker August Zillmer.

Das Besondere bei der Zillmerung ist, dass für die Bestimmung des Werts der Versicherung heute auch Beiträge in der Zukunft mit einberechnet werden. Kurz gesagt werden Provisionen oder Kosten schon heute gezahlt, obwohl die Beiträge dafür erst in der Zukunft fließen. Die Grundlage für die Abschluss- und Vertriebskosten von Versicherungen in Deutschland ist fast immer die Summe der Beiträge, die über die gesamte Laufzeit des Vertrags eingezahlt werden sollen. Ein Prozentsatz davon wird dann in den ersten fünf Jahren der Laufzeit von den Beiträgen abgezogen (im Schnitt 4-6%).

Auch wenn sogar schon das Bundesarbeitsgericht festgestellt hat, dass die Zillmerung nicht per se zu einer Schlechterstellung des Versicherungsnehmers führt[1], beeinflusst sie den Charakter des Sparvertrages doch erheblich.

  1. Sollte der Versicherungsnehmer seinen Vertrag nicht wie vorgesehen erfüllen, hat er zwar am Anfang viele Kosten bezahlt, die dazugehörigen zukünftigen Beiträge aber nicht gespart. Die tatsächlich gezahlten Beiträge sind damit mit hohen Kosten belastet und daher häufig ein schlechtes Geschäft.
  2. Verträge mit kurzer Laufzeit und niedriger Verzinsung lohnen sich damit meistens nicht mehr. Der Zinseszinseffekt hat schlicht nicht genug Zeit, um die Kosten des Vertrages wieder aufzuholen.

Viele Versicherungsverträge sind derzeit leider nur mit gezillmerten Abschluss- und Vertriebskosten zu bekommen.

[1] BAG · Urteil vom 15. September 2009 · Az. 3 AZR 17/09

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